Erster Eindruck – Scheisse.

Was fuer ein Tag, ich mein … ich glaube ich habe heute echt so ziemlich alle Emotionen durchlebt, die es nur gibt. Zumindest die wichtigsten, oder auch unnoetigsten, wie man es sieht. Aber mal von Anfang an:

Ich bin heute kurz vor um Sieben Uhr aufgestanden, ob es mir gut oder schlecht ging konnt‘ ich selber nicht sagen, dafuer war ich zu muede und hatte noch die Traenen von letzter Nacht in den Augen. Doch die wurden weggespuelt, als ich unter der Dusche stand, unten im Keller und es war verdammt kalt. Aber irgendwie musst ich mich selber auslachen, ich mein, ich steh in einem wildfremden Haus im Keller und frier mir den Arsch ab, weil ich gerade aus der Tubberwarendusche komme. Was soll das nur fuer ein Jahr werden?

Zum Fruehstueck hatte ich Kornflakes, total ueberzuckerte Honigringe, die richtig gut waren. Und selbst wenn nicht, hab ich hier noch genuegend andere Optionen, mehr als in manchen Deutschen Supermarkt. Und dann mussten wir auch schon los, um nicht zu spaet in die Kirche zu kommen.

Der Gottesdienst war ganz in Ordnung, bis auf die langen Textpassagen, wo mir meine Augen hin und wieder zu gefallen sind. Die wissen schon genau, wieso so viele Gesangspassagen kommen, dennen ich nicht unbedingt immer folgen konnte, da es einfach zu viele Buecher gibt und dann immernoch das Begleitheft. Gott. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Gebete hab‘ ich aber weggelassen, muss nicht sein. Und der beste Part war als man allen „Peace to you, too.“ wuenschen musste und ich wildfremden Leuten die Hand geschuettelt habe.

Allgemein war ich heute nur am Haende schuetteln und ich kann schon gar nicht mehr zaehlen wie oft ich heute gesagt habe „Nice to meet you!“ – so sehr kann man sich gar nicht freuen. Aber zur mir kamen viele und haben mir ueber ihre Zeit in Deutschland erzaehlt, denn viele waren in der Naehe von Nuernberg stationiert oder haben Verwandte in Deutschland. Aber abgesehen, dass mich das relativ wenig interessiert wird gleich mal die halbe Familienchronik durchgesprochen.

So auch im Elmore Grocery Store, wo einkaufen Nebensache ist, denn man sieht die Leute nur schwatzen oder essen. Essen? Ja, weil in dem Supermarkt sowas wie ein Resturant ist, dass von allen gut angenommen wird. So auch von der Familie Sunderlin, denn wir hatten da gleich Mittag: Vorspeise, RoastBeef mit Mischgemuese und Kartoffelbrei und zum Nachtisch Vanille Eis mit Apfel-Zimt-Warm-Whatever … war eigentlich ganz lecker. Am besten hat mir aber das Wasser dazu geschmeckt, da das kein Hundgeschmack hatte, wie das Wasser daheim. Ekelhaft.
Danach ging es heim und große Langeweile war angesagt. Meine Gasteltern haben nur ferngesehen und ich habe mich gelangweilt. Im wahrsen Sinne des Wortes, ich habe mich noch nie so nutzlos gefuehlt und kam mir total fehl am Platze vor. Ich mein, in Peoria hatte ich nicht mal im Ansatz das Gefuehl und in Germany wusste ich in solchen Moment immer ‘was mit mir anzufangen, um die Situation zu aendern. Schoene Scheisse ey.

Also hab ich eine Mail nach Hause geschrieben, um mal zu schildern wie Kacke es mir geht und wie mich die Situation ankotzt. Ich hatte echt kein Bock mehr und wäre sofort ins nächste Flugzeug nach Peoria gestiegen, wenn es eine Möglichkeit dafür gegeben haette. Die gab es aber leider nicht, oder besser gesagt zum Glueck, denn dadurch habe ich mich mit herausgesetzt, zusammen mit meinen Gasteltern. Und wir haben geredet. Aber nicht wirklich, eher so Standart und ich hatte immer mehr das Gefuehl mich von dennen zu entfernen. Sie sollten merken, dass ich mich nicht wohl fuehle. Ich hab kein Plan, ob sie das mitbekommen haben.

Aber dann hat Vicky (mein Coordinator) angerufen, dass sie mit Justin vorbei kommt und ab da ging es nur noch aufwaerts. Vicky ist echt cool und Justin scheint auch in ordnung zu sein. Ich mein, man merkt ihm schon an, dass er ‘en Wessi ist, aber zumindest kotzt er mich nicht so sehr an, wie Minki in Peoria. Und das ich nicht nochmal jemanden wie Dan treffe, haette mir eigentlich auch klar sein sollen. Aber erstmal schauen, was die naechsten Wochen so bringen.

Zumindest kam dann noch meine „Gastschwester“, die es einfach nur voll drauf hat, ich mein, die ist gelangweilt, genervt und total witzig gleichzeitig – und das mit ‘ner Fresse die einzigartig ist. Na ja, und Megan (keine Ahnung, wie man den Namen richtig schreibt) kam auch noch und nachdem wir alle 10 Minuten gescherzt haben, bin ich mit ihr los gemacht, um bei ihr daheim ihre Schuhe zu holen, damit wir Laufen gehen koennen. Doch was wurde daraus? Wir habn ihre Freundin Shylin (FREAK!) getroffen und haben Justin zum Basketball spielen abgeholt, wo ich mir mal gleich meinen Finger angebrochen habe (was jetzt immernoch weh tut und der ist so angeschwollen, dass er keine Luecke zwischen kleinen und Mittelfinger mehr ist, ich hoffe das kommt wieder in ordnung?) und dann sind wir alle zu Grandpa‘s hoch, also wo ich wohne, und haben uns rausgesetzt, um ne Runde zu quatschen. War ganz lustig, am geilsten war es aber als wir runter in Mag‘s Raum sind und dort Chips und Cookies gegessen haben, waehrend wir telefoniert und ferngesehen haben. Ach ja, und dann eine Diskussion ueber „Duschbags“ hatten, und ich gefragt habe, ob sie mir zeigen kann „how does this works“ (waehrend ich auf ein SpintSchloss gezeigt habe) und Justin und sie sich ueber Tampongs unterhalten haben.

Dann wurde Justin abgeholt, ich bin hoch und geh gleich schlafen, immerhin seh‘ ich morgen zum ersten mal meine High School und wer weiss was mich dann noch erwartet…

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